Mandantenhinweise Corona (2)

Aktuelle Hinweise zur Corona Krise (2)

 

Sehr geehrte Mandantinnen und Mandanten,

nach den ersten Wochen dieser schwierigen Zeit geht es Ihnen wie den meisten Unternehmern in erster Linie darum langfristig Liquide zu bleiben und auch Privat nicht in eine existenzbedrohende Situation zu geraten. Ihren Kampf erlebe ich fast täglich in meiner Praxis!

Der Gesetzgeber hat bereits einige Hilfspakete auf den Weg gebracht und das Unterstützungsangebot auch stetig erweitert. Doch bei aller staatlicher Hilfe – geschenkt bekommt in diesen Zeiten keiner etwas!

Über Kredite, Steuerstundungen und staatlichen Soforthilfen habe ich Sie bereits in den Vorhergehenden Rundschreiben informiert.

Nun möchte ich Ihnen eine allgemeine Übersicht geben, welche Hilfspakete auf dem Weg gebracht wurden.

I Steuerliche Erleichterungen in der Corona-Krise

1. Stundung
Steuerpflichtige können die Stundung für Steuern wie Einkommen-, Körperschaft- und Umsatzsteuer beantragen,
die bis zum 31.12.2020 fällig werden.

2. Anpassung von Vorauszahlungen
Die Anpassung von Einkommen- und Körperschaftsteuer ist auf Antrag möglich, wenn der Steuerpflichtige
unmittelbar und nicht unerheblich betroffen ist.
Auch bei der Gewerbesteuer kann eine solche Anpassung erfolgen, indem das Finanzamt den Gewerbesteuermessbetrag für Zwecke der Vorauszahlungen herabsetzt.

3. Vollstreckungsaufschub
Auf Antrag gewähren Finanzämter Vollstreckungsschutz, sodass bis zum 31.12.2020 von Vollstreckungsmaßnahmen abgesehen werden soll. Erforderlich ist, dass der Steuerpflichtige unmittelbar und nicht unerheblich betroffen ist.
Säumniszuschläge werden in Fällen des Vollstreckungsaufschubs in der Zeit vom 19.3.2020 bis zum 31.12.2020 erlassen. Dieser Erlass kann durch eine sog. Allgemeinverfügung erfolgen, die öffentlich bekanntgegeben wird.

4. Erlass der Umsatzsteuer Sondervorauszahlung
Bereits getätigte Umsatzsteuer-Sondervorauszahlungen werden auf Antrag auf null EUR herabgesetzt und werden dann erstattet oder verrechnet.

5. Pauschaler Verlustrücktrag 2020
Betroffene Unternehmen können Verluste aus 2020 mit Steuervorauszahlungen aus 2019 auf Antrag verrechnen lassen.

6. Fristverlängerung Lohnsteuer Voranmeldungen
Auf Antrag kann die Abgabe der monatlichen Lohnsteuer Voranmeldungen für längstens 2 Monate
verlängert werden.

7. Geplante Umsatzsteuersenkung für Speisen in Gastronomie
Das BMF plant eine Absenkung des Umsatzsteuersatzes für Speisen in der Gastro von derzeit 19% auf 7%
voraussichtlich ab dem 01.07.2020 befristet bis zum 30.06.2021.

II Wirtschaftshilfen in der Corona-Krise

1. Soforthilfen für kleine Unternehmen

Neben den z. T. bereits auf Länderebene angelaufenen Soforthilfemaßnahmen hat der Bund am 27.3.2020 Hilfen für Selbständige und Kleinunternehmer verabschiedet. Sie gelten für alle Wirtschaftsbereiche sowie Soloselbständige und Angehörige der Freien Berufe mit bis zu 10 Beschäftigten (Vollzeitäquivalente).
Zur Sicherstellung ihrer Liquidität erhalten kleine Unternehmen im Rahmen der Bundes-Soforthilfe eine Einmalzahlung für drei Monate – je nach Betriebsgröße in Höhe von

bis zu 9.000 € (bis zu fünf Beschäftigte/Vollzeitäquivalente)
bis zu 15.000 € (bis zu zehn Beschäftigte/Vollzeitäquivalente).

Hinweise: Anträge auf Soforthilfen können bei den hierfür zuständigen Behörden oder Stellen der Länder bis zum 31.5.2020 gestellt werden.

Dem Bundesfinanzministerium zufolge ist eine Kumulierung mit anderen Hilfen im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie grundsätzlich möglich. Eine Überkompensation ist jedoch zurückzuzahlen!

Darüber hinaus wird Kleinunternehmern und Soloselbständigen der Zugang zu Sozialleistungen, insbesondere dem Arbeitslosengeld II, vereinfacht.

Um den Kinderzuschlag zu gewähren, werden nicht mehr Einkommensnachweise der letzten sechs Monate vor Antragstellung herangezogen, sondern der Nachweis des aktuellen Einkommens im letzten Monat vor Antragstellung. Damit sollen auch diejenigen den Kinderzuschlag erhalten, die einen plötzlichen Einkommensverlust erlitten haben.

2. Weitergehende Liquiditätshilfen für Unternehmen

Neben den oben erwähnten Soforthilfen für kleine Unternehmen wurde ein neues Kreditprogramm für Unternehmen aufgelegt. Das KfW Sonderprogramm 2020 ist am 23.3.2020 gestartet.
Das Sonderprogramm steht sowohl kleinen, mittelständischen Unternehmen als auch Großunternehmen zur Verfügung. Die Kreditbedingungen wurden endlich verbessert. Niedrigere Zinssätze und eine vereinfachte Risikoprüfung der KfW bei Krediten bis zu 10 Mio. Euro sollen weitere Erleichterung für die Wirtschaft schaffen.

Hinweise: Das KfW-Sonderprogramm ist bei den jeweiligen Hausbanken zu beantragen. Weitere Informationen hierzu – u.a. zur Vorbereitung einer Kreditbeantragung bei der Bank – hat die KfW auf ihrer Internetseite veröffentlicht.

3. 100 % BAFA Beraterzuschuss (max. 4.000 EUR)

Der Bund unterstützt von der Corona Krise betroffene Mandanten mit einem Beraterzuschuss von 100%.

Gefördert werden insbesondere:

• betriebswirtschaftliche Beratung (Liquiditätsplanung)
• Identifizierung neuer Geschäftsfelder
• Umstellung auf digitale Geschäfte / Buchhaltung
• Prozessoptimierung

Eine Zahlung vorab ist von den betroffenen Unternehmern nicht zu leisten.

Sollten Sie Interesse an einem Sparringspartner oder Beratungsbedarf haben, sprechen Sie mich gerne an.

4. Verdienstausfallversicherung / Betriebsschließungsversicherung

Ein Blick in Ihre Versicherungspolice kann sich lohnen! Je nach Versicherung kann in Ihrer Police ein Umsatzausfall aufgrund des IfSG geregelt sein. Die Betriebsschließung/den Umsatzausfall sollten sie bei Ihrer Versicherung anzeigen und u.U. rechtlich einfordern.

III Rechtliche Maßnahmen in der Corona-Krise

1. Änderungen beim Kurzarbeitergeld

Aufgrund der Corona-Krise wurden Erleichterungen für den Zugang zum Kurzarbeitergeld (KUG) beschlossen. Die Regelungen gelten mit Wirkung zum 1.3.2020 und sind bis zum 31.12.2020 befristet.

In Planung ist es, das Kurzarbeitergeld von derzeit 60% für kinderlose Beschäftigte ab dem vierten Monat des Bezuges auf 70 % und ab dem siebten Monat des Bezugs auf 80% des pauschalierten Nettoentgelts zu erhöhen.

Zudem soll die Hinzuverdienstgrenze nun für alle Berufe geöffnet werden.

2. Corona Bonus Zahlung an Mitarbeiter (1.500 EUR steuer- und sozialversicherungsfrei!)

Viele Mitarbeiter haben in der Corona-Krise eine große Einsatzbereitschaft gezeigt. Wenn Sie es sich wirtschaftlich leisten können, können Sie diesen dafür einen Bonus zahlen. Bis zu einem Betrag von 1.500 Euro bleibt dieser steuer- und sozialabgabenfrei. Das hat das Bundesfinanzministerium (BMF) mitgeteilt. Voraussetzung: Der Bonus muss zum ohnehin geschuldeten Arbeitslohn gezahlt werden.

3. Überschreiten Minijob Grenze,

Grundsätzlich ist das gelegentliche Überschreiten der Minijob Grenze (450 EUR) auf einmal im Kalenderjahr limitiert. Nun wurde das gelegentliche Überschreiten für den Zeitraum 01.03.-31.10.2020 auf bis zu 5 Kalendermonate erhöht.

4. Zeitgrenzen Kurzfristige Beschäftigung

Die Zeitgrenzen für kurzfristige Beschäftigte wird von jeher 3 Monate auf 5 Monate angehoben. Dies gilt für den Zeitraum zwischen März und Oktober 2020.

IV. Änderungen im Miet-, Insolvenz- und Strafprozessrecht

Erleichterungen im Insolvenzrecht

Unternehmen, die aufgrund der Corona-Pandemie in wirtschaftliche Schwierigkeiten geraten oder insolvent geworden sind, sollen ihre Geschäfte trotzdem weiterführen können. Hierzu wird die Insolvenzantragspflicht bis zum 30.9.2020 ausgesetzt. Für einen dreimonatigen Übergangszeitraum ist das Recht der Gläubiger, die Eröffnung von Insolvenzverfahren zu beantragen, eingeschränkt.

Mieterschutz

Mieter sowie Kleinstunternehmen, die wegen der Ausbreitung des Coronavirus ihre Miete nicht mehr zahlen können, werden vor Kündigungen geschützt: durch zeitlich begrenzte Einschränkungen der Kündigung von Miet- und Pachtverhältnissen, Regelungen zur Stundung und Vertragsanpassung im Verbraucherdarlehensrecht. Leistungen der Grundversorgung wie Strom, Gas oder Telekommunikation sollen möglichst weiterlaufen.

Strafprozesse

Zur Vermeidung der Infektion mit dem Coronavirus dürfen Strafgerichte während des nächsten Jahres die Hauptverhandlung für maximal drei Monate und zehn Tage unterbrechen, ohne dass der Prozess „platzt“. Nach geltendem Recht ist eine Unterbrechung von höchstens 10 Tagen möglich.

Weitere rechtliche Änderungen

In zahlreichen weiteren Rechtsgebieten sind Erleichterungen vorgesehen, u. a. im Genossenschafts-, Gesellschafts-, Vereins-, Stiftungs- und Wohnungseigentums- sowie im Umwandlungsrecht.
Ziel ist es, die betroffenen Rechtsformen in die Lage zu versetzen, trotz der derzeit beschränkten Bewegungs- und Versammlungsfreiheit erforderliche Beschlüsse zu fassen und handlungsfähig zu bleiben. So kann beispielsweise eine AG ihre Hauptversammlung virtuell – ohne Präsenz der Aktionäre – durchführen.
Erleichterungen sind auch für die Beschlussfassung einer GmbH im schriftlichen Verfahren vorgesehen. Wohnungseigentümer können zunächst auf die Durchführung von WEG-Versammlungen verzichten.

Hinweise: Alle Regelungen gelten grundsätzlich begrenzt. Mit Ende der derzeitigen Ausnahmesituation erfolgt die Rückkehr zur bisherigen Rechtslage. Die einzelnen Regelungen treten zu unterschiedlichen Zeitpunkten – zum Teil rückwirkend – in Kraft.

Wir wünschen Ihnen, Ihrer Familie und Ihrem Team weiterhin gesundheitlich alles Gute und bleiben Sie zuversichtlich.

Wir unterstützen Sie gerne!

Ihre Steuerberaterin,

Nadine Herrmann

Bitte beachten Sie: Die Entwicklung in der Corona-Krise ist dynamisch. Die hier hinterlegten Informationen beruhen auf dem Stand 27.04.2020.