Umsatzsteueränderungen ab dem 01.07.2020

Umsatzsteuerguide ab dem 01.07.2020

Wichtige Hinweise zum Rechnungsausgang und zur Rechnungseingangsprüfung ab dem 01.07.2020

Ab dem 01.07.2020 wird die Umsatzsteuer in allen Branchen gesenkt. Um Ihnen den Übergang zu erleichtern, habe ich Ihnen alles Wichtige rund um dieses Thema zusammengefasst. Eine endgültige Verwaltungsanweisung liegt bisher noch nicht vor, daher können wir die für Sie relevanten Punkte nur anhand eines vorläufigen BMF-Schreibens vom 12.06.2020 nach besten Wissen und Gewissen interpretieren und zusammenfassen. Ich halte Sie weiter auf dem Laufenden und helfe Ihnen gerne weiter, wenn Sie Fragen haben oder Unterstützung benötigen.

I. Umfang der USt-Senkung

Maßgebend für die Anwendung der verminderten Steuersätze (i.H.v. 16% bzw. 5%) ist grundsätzlich der Zeitpunkt, an dem die steuerpflichtige Leistung von Ihnen ausgeführt wird.

Dies ist z.B.

• bei Verkauf eines Gegenstandes (Lieferung): Der Zeitpunkt der Auslieferung,
• bei langfristigen Projekten (Werklieferung): Der Zeitpunkt der Abnahme durch Ihren Kunden, bitte beachten Sie auch unsere gesonderten Hinweise zu Teilleistungen,
• bei einer Dienstleistung (Werkleistung, Sonstige Leistung): Das Datum der Vollendung, ggf. ebenfalls Abnahme durch Ihren Kunden.

Keine Bedeutung haben:

• der Zeitpunkt, an dem Sie die Rechnung ausstellen,
• die Zahlung/Vereinnahmung des vereinbarten Entgeltes.

Bitte bedenken Sie zuerst die praktischen Folgen dieser Steuersatzsenkung – bitte gleich auch für den „Weg zurück“ ab dem 01.01.2021.

Erforderlich sind:
• Änderungen in Ihrer EDV (Anpassung von Kassen- und Fakturasystemen, ggf. neue Konten, neue Steuerkennzeichen in Ihrer Buchhaltung).
• Korrekte Ermittlung des Leistungsdatums zur Anwendung des zutreffenden
• Steuersatzes und Erfassung in Ihrer EDV zur Rechnungstellung:

o Lieferung = „Auslieferdatum“, Liederbedingungen sind irrelevant.
o Werklieferung = Abnahme durch den Auftraggeber → d.h. für Sie: die projektverantwortlichen Mitarbeiter müssen das Datum der Abnahme zur Rechnungsstellung weitergeben oder elektronisch hinterlegen.
o Werkleistung, Sonstige Leistung = Vollendung, auch hier ist eine Dokumentation, ggf. elektronisch, erforderlich.

Bitte passen Sie Ihre Rechnungsvorlagen an, damit es zu keinen inhaltlichen Fehlern kommt.

o Richtiges Leistungsdatum
o Richtiger Steuersatz
o Korrekte Ermittlung des Steuerbetrags

Bitte passen Sie auch Ihre interne Verfahrensdokumentation an und bewahren Sie Änderungen in Ihren Programmen zu Dokumentationszwecken 10 Jahre lang auf.

Besonderheiten:

Durch Werbung bekanntgemachte Pauschalrabatte möglich
Händler und Anbieter von Dienstleistungen können für die vorübergehende Senkung der Mehrwertsteuer von der bestehenden Ausnahmemöglichkeit des § 9 Absatz 2 Preisangabenverordnung (PAngV) Gebrauch machen und pauschale Rabatte an der Kasse gewähren, ohne die Preisauszeichnung (z.B. sämtlicher Regale) in der Nacht zum 1.7.2020 ändern zu müssen. Hierauf weist das BMWi aktuell hin.

Dauerschuldverhältnisse/Dauerleistungen
Diese werden in einem bestimmten Zeitraum erbracht. Hierzu zählen insbesondere Lea- sing-, Miet- und Wartungsverträge sowie Abonnements und Lizenzen. Diese Lieferungen oder Leistungen sind regelmäßig über einen periodischer Leistungszeitraum vereinbart (monatlich, vierteljährlich, halbjährlich, jährlich, …).

Die Leistung gilt am Tag der Beendigung des jeweils vereinbarten Leistungszeitraums als ausgeführt. Für Mietverträge, Leasingverträge ist dies typischerweise monatlich, Wartungsverträge ggf. quartalsweise. Sofern Sie für Ihre Ausgangsleistungen mit Dauerrechnungen arbeiten, passen Sie diese bitte für den Zeitraum vom 01.07.2020 bis zum 31.12.2020 entsprechend an, ein Muster finden Sie in der Anlage 1. Bitte beachten Sie, dass auch Ihr Mietvertrag selbst eine Dauerrechnung in diesem Sinne darstellen kann. Auch für die Anpassung dieses Vertrages können Sie das beiliegende Muster verwenden. Sollten Sie von dem automatischen Sepa-Lastschriftmandat Gebrauch machen, so passen Sie dieses an.

Vorausrechnungen im E-Commerce
Sofern Sie Rechnungen vor dem 1. Juli 2020 für Aufträge erstellen, die Ihr Lager erst nach dem 30. Juni 2020 verlassen, ist auch hier der Umsatzsteuersatz von 16% bzw. 5% anzuwenden

Langfristige Projekte:
Wichtig ist die zutreffende Abgrenzung zwischen der Rechnung über eine Anzahlung/Abschlag/Vorauszahlung und der Abrechnung über eine Teilleistung im Vorfeld der Schlussrechnung. Von einer Anzahlung bzw. einem Abschlag oder einer Vorauszahlung ist dann auszugehen, wenn vor einer Abnahme oder Vollendung bzw. Fertigstellung des Auftrages abgerechnet wird. Eine typische Situation für eine Anzahlung ist ein vereinbarter Vorschuss, der zu Beginn eines Projekts in Rechnung gestellt wird bzw. ein Abschlag, der während der laufenden Bearbeitung des Projektes berechnet wird.

Ausnahme: eigenständige Teilleistungen
Im Gegensatz zu Anzahlungen liegt eine Teilleistung bei einem abgeschlossenen und abgenommenen Teilschritt, dies als teilbare Leistung eines Projektes, vor. Die dazugehörige Rechnung wird dann für diese genau abgrenzbare Teilleistung gestellt.

Voraussetzung für eine eigenständige Teilleistung ist:

• Wirtschaftliche Teilbarkeit aufgrund einer
• gesonderte Vereinbarung mit
• gesonderter Abnahme der jeweiligen Teilleistung durch Ihren Kunden und
• eine separate Abrechnung.

Im Unterschied zu Anzahlungen gilt bei Teilleistungen, dass die Steuer bereits mit Beendigung der jeweiligen Teilleistung entsteht. Ist eine Teilleistung vor dem 01.07. vollendet, so wird der Steuersatz von 19% bzw. 7% angewendet.
Wird eine Teilleistung im Zeitraum vom 01.07. bis zum 31.12. vollendet, ist der Steuer satz von 16% bzw. 5% anzuwenden.

Hinweis:
Wegen der unterschiedlichen umsatzsteuerlichen Behandlung ist es zwingend notwendig, dass Teilleistungen von Anzahlungen klar abgegrenzt werden können. Teilleistungen können insbesondere bei Bauleistungen und Bauplanungsleistungen in Form von Werklieferungen und/oder Werkleistungen vorkommen. Bitte prüfen Sie ihre jeweiligen vertraglichen Vereinbarungen. Alle vier o.g. Kriterien müssen für eine eigenständige Teilleistung kumulativ vorliegen und erfüllt/dokumentiert werden.

II. Rechnungseingangsprüfung

Wegen der kurzfristigen Änderung der Umsatzsteuersätze besteht die Gefahr, dass Rechnungen für Leistungen nach dem 30.06.2020 mit einem falschen Steuerausweis ausgestellt werden. Bitte beachten Sie bei der Rechnungseingangsprüfung:
Wird unter Ausweis der bisherigen Steuersätze abrechnet (19% bzw. 7% USt) abgerechnet, weist Ihr Vertragspartner zu viel Umsatzsteuer aus. Der zu viel ausgewiesene Betrag darf von Ihnen nicht als Vorsteuer abgezogen werden, selbst wenn Sie diesen zahlen. Bitte lassen Sie falsche Rechnungen korrigieren!

Bitte beachten Sie: Die Entwicklung in der Corona-Krise ist dynamisch. Die hier hinterlegten Informationen beruhen auf dem Stand 22.06.2020.